Diskussionen über Zeit und Kunst

Ist das Kunst oder kann das weg?

Eine allgegenwärtige Frage, die spätestens seit dem Säuberungsakt der Putzfrauen bei einer von Beuys verschmierten Wanne permanent die Kunstszene beherrscht.
Doch wer bestimmt überhaupt, was Kunst ist? Die niederschmetternde Antwort: Nicht Ethik oder Ästhetik, auch keine Museen oder Experten, sondern allein der Kunstmarkt - und der in einer Art und Weise, die selbst noch weit unterhalb der finsteren und verwerflichen Machenschaften der Wallstreet-Geldhaie liegen. Billige Zinsen fördern noch diesen Insider-Trick: Man sucht ein noch nicht ausgereiztes Objekt, leiht sich Millionen-Beträge und sorgt dann umtriebig für mehr Aufmerksamkeit auf die noch nicht bezahlte Neuerwerbung. Erst wenn der Kreditgeber allzu sehr auf Rückzahlung drängt, erscheint das Werk wieder mal auf einer Auktion und erzielt, dank der inzwischen gesteuerten Informationen über Bedeutung, Aktualität und eventueller weiterer Preissteigerungen einen höheren Preis - oft mit einem Millionen-Gewinn, manchmal auch mit dem Ruin eines zu wagemutigen Spekulanten. Aber noch schlimmer: Was in anderen Lebensbereichen durchweg als Betrug gilt, ist bei der Kunst gang und gäbe. Weil die Bieter immer anonym bleiben, können Galerien - und da sind sie fleißig - auf ihre eigenen Bilder bieten.
Objekte dieser ruchbaren Machenschaften sind die Produkte von „Klecksern und Spachtlern“, wie sie mit Häme von Ernst Fuchs, dem Meister der Wiener Schule, genannt wurden. Und dazu kommen noch die Serien-Erfinder wie Andy Warhol — Wertschöpfung mit Signierung am laufenden Band. Kunst dieser Art wird simpel mit den Boys-Parolen begründet: Alles ist Kunst, jeder ist ein Künstler. Doch ist das richtig verstanden worden? Beuys meinte es als Absage an den Werk-Begriff. Kunst ist nicht die Produktion von irgendetwas, sondern das Geltendmachen, dass irgendetwas Kunst ist. Praktisch wird alles zur Kunst, wenn man es in ein Museum stellt. 

Das ist keine Boys-Erfindung, nur eine zeitgemäße Bestandsaufnahme. Schon 1915 stellte der Russe Kasimir Malewitsch sein erstes „Schwarzes Quadrat“  aus, das er dann immer wieder „schuf“ -   mal verschoben oder in verschiedenen Größen, auch mal rot. 1917 folgte ein handelsübliches Urinal von Marcel Duchamp. Nach dem Untergang einer Galerie soll es auf dem Müll gelandet sein, steht aber jetzt als „Fontain“ mit von Duchamp autorisierten Sanitär-Fabrikaten in zahlreichen Museen weltweit. Fontain und Schwarzes Quadrat  gelten als bedeutende Meilensteine der Modernen Kunst.

Doch diese Steine bröseln immer mehr. Zum Hundertjährigen von Duchamps Readymade schrieb „Die Zeit“ (32/2017) von einer Inflation banaler Nachahmungen. „Einfallslos und dennoch überall präsent, weil viele Galeristen und Künstler wissen, dass sie damit immer wieder Geld verdienen können.“ Der Kunstmarkt ähnele dem Märchen von Rumpelstilzchen: Scheinbar über Nacht werde aus Stroh Gold gesponnen. Das sei ein ausgewachsener Burn-out der Kunstwelt. Eine intellektuelle Arbeitsunfähigkeit und gestalterische Müdigkeit, die sich durch den Rumpelstilzchen-Trick aber noch zu Geld machen lasse:  Kopie statt Originalität. (wird fortgesetzt)

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